Teil 5 - Ostseeaquaristik (Dietmar Schönfelder)

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Die Pflege der in der Ostsee beheimateten Organismen in einem Aquarium ist durch die Besonderheiten des Milieus und der ökologischen Rahmenbedingungen nicht immer einfach.

In gewissen Grenzen kann man diese Verhältnisse simulieren und einigen Pflanzen und Tieren die erforderlichen Lebensbedingungen bieten. Durch den langsamen Stoffwechsel bei niedrigen Temperaturen verläuft der mineralische Umbau von Stickstoff sehr viel langsamer als in tropischen Aquarien. Die Organismen reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen des Milieus. Bei vielen Pflanzen ist nur ein saisonales Wachstum möglich und erschwerend kommt neben der geringen Salzdichte die Ionen Anomalie eines brackigen Wassers hinzu, die eine gewisse Artenvielfalt stark einschränken. Somit ist solch ein Heimataquarium immer eine große Herausforderung an den Pfleger, die nicht nur viel Geduld und Begeisterung erfordert, sondern auch ein gewisses Grundwissen an biologische, physikalische und chemische Zusammenhänge voraussetzt.

Oftmals muss man sich dieses Wissen durch Erfahrungen und sorgfältige Beobachtung erst erwerben. Auch wenn nicht alles auf Anhieb gelingt, wird man beim Beobachten dieser Welt immer wieder kleine Überraschungen erleben.

Mit dem neuen Aquarium habe ich nicht nur Erfolge, sondern leider auch unerwartete Enttäuschungen erfahren müssen.


Inhaltsverzeichnis

Januar 2010.

Das neue Aquarium hat nun einige Betriebszeit hinter sich. Alle technischen Komponenten sind durch die klimatischen Bedingungen einer sehr hohen Belastung ausgesetzt. Dennoch arbeitet das Equipment sehr zuverlässig und es gab bisher keinen Grund, Änderungen vorzunehmen. Die Dimmschaltung der Beleuchtung bewährt sich, obwohl ich einige Bedenken wegen der sehr niedrigen Temperaturen hatte, sehr gut. Hier wurde eine Verbesserung der Tierhaltung erreicht. Die Fische sind nicht aus dem Aquarium gesprungen und zeigen kaum Schreckverhalten. Damit bin ich zufrieden denn ich habe keine Tiere so wie früher durch Lichtschock verloren.

Auch die Handhabung der Pumpe hinter der Riffwand, die gleichzeitig als Schottwand dient, ist wesentlich einfacher. Hier werden die Tiere beim Hantieren kaum beunruhigt, da die Pumpe nicht sichtbar montiert ist. Mit einer Hand sind alle Pumpen entnehm- und montierbar.

Die Abschäumung mit dem Eigenbau funktioniert ebenfalls ausgezeichnet und auch hier ist eine wesentliche Verbesserung der Tierhaltung erreicht worden. Die Keimzahlbegrenzung durch das UV-C Gerät ist wirksam, allerdings in der Leistung eingeschränkt, da die niedrigen Temperaturen für solche Geräte Leistung mindernd sind.

Etwas unbequem ist der tägliche Verdunstungsausgleich, der durch die beiden Lüfter etwa 2-4 Liter Wasser/Tag beträgt (beachtlich bei einer Temperatur von 4-8°C). Hier wird noch eine automatische Auffüllung installiert, ein Zugeständnis an meine Bequemlichkeit.

Nun zu dem Geschehen und der Entwicklung im Aquarium. Die Entnahme von Material aus der Ostsee, speziell der Pflanzen, war schon zu Beginn der Aktion problematisch. Zur Zeit der Entnahme herrschten starke ablandige Winde über längere Zeit. Das führte zum Entstehen eines großflächigen Windwatt und zum Antrocknen vieler Pflanzen. In den Restwasserflächen, die sich bildeten, stagnierte der Wasseraustausch und relativ hohe Temperaturen und Salzkonzentrationen waren vorherrschend.

So gelang es mir nicht, unbeschädigtes Material für das Aquarium zu entnehmen. Die Pflanzen hatten Beschädigungen der Zellwände durch Temperaturspitzen. Solche Pflanzen bieten Bakterien und anderen Mikroben eine Siedlungs- und Lebensbasis. Sie sind nicht in der Lage sich schnell genug zu regenerieren und beginnen zu faulen. Für die Pflanzen stellte ich neben sehr hellem und UV-A Anteilen beinhaltendem Licht Aminosäuren, Vitamine, Eisen und Jod regelmäßig zur Verfügung. Das führte nur bei den Tangen zu einer kurzen Wachstumsphase, ansonsten blieb selbst der Einsatz von Düngemitteln wie sie auch in der Süßwasser Aquaristik zur Anwendung kommen, völlig wirkungslos.

Die Erwartungen durch die in Lösung gehenden Anteile der im Bodengrund eingebrachten Heilerde erfüllten sich nicht. Mehr noch, der Bodengrund selbst weist bis heute keinerlei sichtbare Spuren einer Besiedlung aus. Auch eine Neubesiedlung von Pflanzen durch Sporen, mit Ausnahme von Kieselalgen, fand dieses mal im Gegensatz zu den Vorjahren, bis jetzt nicht statt. Der Besatz mit Pflanzen ist damit 100% fehlgeschlagen. Um den Tieren eine gewisse Deckung zu geben, wurde nach 8 Wochen Kunstpflanzen eingesetzt.

Ich muss gestehen, dass ich hier im Moment völlig ratlos bin! Obwohl viele Pflanzen einjährig sind, hatte ich nicht mit dem völligen Versagen gerechnet, denn die im vorher betriebenen Aquarium eingesetzten Pflanzen regenerierten und entwickelten sich im Gegensatz zu diesem Aquarium gut!

Aber auch mit den Fischen hatte ich nur wenig Erfolg. Schon beim Fang der Tiere war auffällig, dass viele Stichlinge missgestaltet waren. Das wurde durch einen Parasiten hervorgerufen, der vom Darm der Tiere in das Auge wandert und dort seine Entwicklung fortsetzt. Dieser Parasit ist im Schwärmerstadium und auch im Stadium, in dem er Schnecken und Copepoden befallen hat, für die Fische hoch ansteckend. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeit für die Fische und man sollte sie von ihrem Leiden erlösen.

Einige Stichlinge sind mir noch verblieben. Die Seezunge ist ebenfalls verendet. Ich kann allerdings keine Angaben dazu machen, da ich sie bzw. Teile von ihr nicht wieder fand. Auch das Absuchen hinter dem Aquarium blieb erfolglos. Sie war bis zuletzt sehr schwimmaktiv, was gerade bei dieser Tierart im Gegensatz zu anderen Plattfischen eigentlich nicht die Regel ist. Sie hatte auch immer Futter aufgenommen. Der Grund für das Ableben konnte jedenfalls nicht ermittelt werden. Auch die Seenadeln konnte ich dieses mal nicht lange pflegen, sie erlagen dem gleichen Parasiten wie die Stichlinge.

Als kleiner Lichtblick erwiesen sich die 3 Garnelenarten die ich in dieses Aquarium einsetzte. Hier habe ich im Aquarium nur eine Garnele verloren, eine Crangon crangon. Zwei Tiere dieser Art erfreuen sich bester Gesundheit und mich durch ihr Verhalten.

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Beim Eingraben erkennt man schön die Anpassung des Körpers an die Boden orientierte Lebensweise.

Auch die Palaemon squilla ist regelmäßig zu sehen. Sie hat eine ähnliche Färbung wie die kleine Felsengarnele Palaemon elegans, sie ist aber wesentlich größer. Insgesamt muss die Artenbeschreibung vieler Garnelenarten revidiert werden, was sich als Beispiel an der gleichen Namensgebung der Palaemon elegans aus dem Mittelmeer erforderlich macht. Trotz der auffallenden Ähnlichkeit sind beide genetisch nicht identisch, wie mir aus einer persönlichen Mitteilung von A. Meyer bekannt ist.

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Die Palaemon squilla ist in der Ostsee nicht mehr so häufig wie früher.

Das mir dieses mal die Haltung der Crangon crangon gelingt, ist besonders erfreulich, denn gerade diese Art ist besonders anspruchsvoll in ihrem Sauerstoff- und niedrigem Temperaturbedarf, den ich diesen Tieren dieses Jahr besser bieten kann. Vielleicht gelingt mir eine Vermehrung einiger Garnelen, die ich regelmäßig auf Laichansatz beobachte.

Recht einfach ist das mit der Palaemon elegans möglich, wenn das tragende Tier in Einzelhaltung bis zum Freilassen der Larven gehalten wird. Innerhalb weniger Stunden endet allerdings die Fresshemmung des Muttertieres nach Freisetzung ihrer Larven! Die Aufzucht der Larven ist nicht schwierig, vorausgesetzt, man kann sie mit Futter versorgen. Interessant ist ihre Umwandlung in ihren Entwicklungsstadien, bis sie zu Junggarnelen heranwachsen. So klein die Larven auch sind, überrascht es, welch gewaltige Schwimmleistungen sie vollbringen.

Die Aufzucht geschieht in einem recht kleinen Behälter, um eine gewisse Zeit eine hohe Futterdichte aufrecht zu erhalten. Den Zeitpunkt der Metamorphose können Garnelen steuern, sie suchen in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung Substrate, die sie selektieren. Das ist abhängig von mehreren Faktoren wie beispielsweise der Beschaffenheit des Substrates sowie dessen Besiedlung von Mikroorganismen. In der Ostsee scheinen die Bedingungen für diese Garnele ideal zu sein und gleichzeitig wenig Druck durch Fressfeinde und Räubern vorzuherrschen. Sie ist ab Anfang der 90iger Jahre die dominierende Garnelenart geworden und scheinbar verdrängt sie die vorher etablierten Arten.

Durch die über Jahre hinweg dokumentierten Fangaktionen können wir das auch belegen. (1) Auch wenn nur an einem Wochenende im Jahr diese Daten erfasst wurden, ist die Tendenz deutlich. Doch nicht alle Neozoen führen immer zu einer Verdrängung von Arten. So ist der Borstenwurm Marenzelleria viridis solch eine Art, die eine Nische besetzen konnte. (2)

Doch zurück zur Aquaristik. Wie soll es nun weiter gehen? Zunächst werde ich eine Bodenprobe entnehmen um den Zustand der Sandlückenfauna einzuschätzen. Als weiterer Schritt werden wieder harpactide Copepoden zugesetzt um Pflanzenreste und Bakterien zu fressen. Die externe Kultur von diesen Copepoden muss weiter intensiviert werden, das bedeutet gleichzeitig die Intensivierung der Phytoplanktonzucht und Kauf von lebenden Phytoplanktonkonzentraten. Hier bevorzuge ich ein Produkt der Fa. Trautmann aus Königsbrück, welches acht verschiedene Algenarten beinhaltet. (3) Besonders wichtig sind Kieselalgen, ohne die eine Zucht von Copepoden wenig Sinn macht.

Da das Aquarium jetzt eine gewisse Standzeit aufweist, wird Anfang Mai ein neuer Kulturversuch mit Pflanzen stattfinden. Weitere Fische sollen das Aquarium bevölkern und eventuell einige niedere Tiere, bei denen mir ein Erwerb bisher nicht möglich war. Hier werde ich auch andere Fanggebiete aufsuchen. Besonders interessiert mich das Salzhaff an der Insel Poel. Zusätzlich ist der Besuch des Barther Bodden und des Grabow fest eingeplant um für die Futterzucht Zooplanktonarten zu fangen. Die Boddengewässer sind durch die Eutrophierung mit Zooplankton stark besiedelt. Das Ganze wird Mitte Mai stattfinden, denn zu dieser Zeit haben die calanoiden Copepoden das Maximum ihrer Vermehrungsrate erreicht.

Das wichtigste Ziel ist allerdings die Pflanzenkultur der Makrophyten. Hierzu wird auch Material des Bodengrunds entnommen, besonders Schlickbestandteile des Seegrases. Die Mikrohabitate dieser Bereiche werden dem Aquarium weitere Impulse geben. Und ein weiterer Faktor soll die Erfolgsaussichten verbessern, Wesentlich kürzere Zeit zwischen Entnahme und Einsetzen im Aquarium. Ob es so möglich wird, die empfindlichen Pflanzen erfolgreich zu kultivieren. Möglicherweise hat eine lange Reifezeit des Aquariums Einfluss auf eine erfolgreiche Kultur.


Leben zwischen den Sandkörnern.

Interessant ist immer wieder ein Blick in die Strukturen des Aquariums, die normalerweise unserer Sicht verborgen bleiben. Eine Untersuchung mit dem Mikroskop lässt dabei verschiedene Rückschlüsse auf das Aquarienmilieu zu. Ich möchte hier versuchen eine kurze Analyse zu erstellen, um Einfluss nehmen zu können. Glücklicherweise bin ich in der Lage, die Situation mit den Aufnahmen der vorher betriebenen Aquarien zu vergleichen. Zunächst zeige ich Ihnen das Material des Bodengrundes. Es hat eine Korngröße zwischen 0,1-0,4mm. Sie können damit recht einfach die Größe der Organismen bestimmen, die mit den Bildern gezeigt werden.

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Dieser Lebensraum ist in der Regel stark besiedelt. Was ist noch zu erkennen? Das Material selbst wird nicht von Algen besiedelt. Dazu ist die Oberfläche zu klein und zudem durch die Strömungsgestaltung und den Aktivitäten der Bodenbewohner entsprechend in Bewegung, so dass sich Algen nicht etablieren können. Die Folge davon ist, dass der Bodengrund sehr hell bleibt. Das Material lässt das Licht bis etwa 1-2 cm in den Bodengrund eindringen. Das ist wichtig für die den Boden besiedelnden Organismen, da sie mehr oder weniger ausgeprägte Lichtsinnesrezeptoren besitzen. Damit unterscheiden sie nicht nur Tag und Nacht sondern sie können sich in Richtung Nahrung orientieren, wie es beispielsweise die Algen fressenden Schnecken tun. Auf diese Thematik gehe ich später noch etwas genauer ein, denn das ist ein hoch interessantes Thema und wirkt sich auf die Pflegebedingungen aus.

Die Form des Materials hat entscheidenden Einfluss auf die dort siedelnden Organismen. Sie sehen sehr gut die abgerundete Struktur der Sandkörner. Damit ist einerseits ein recht großer Zwischenraum zwischen den Sandkörnern gegeben, andererseits verbackt dieses Material nicht wie zum Beispiel scharfkantiger Korallensand, der zusätzlich durch Phosphatbindung für Nährstoffdepots sorgt, die Struktur fördert eine leichte Verschiebbarkeit. Für viele Tiere sind solche Substrate ausgesprochen attraktiv. Dennoch, für noch bessere Besiedlung empfehle ich einzelne Inseln mit anders gestaltetem Material und Korngrößen einzurichten, welche wiederum von einer ganz typischen Fauna besiedelt werden. In abgedunkelten Bereichen unter Dekorationsmaterialien vermeidet man Algenwuchs auf grobkörnigem Material. Eine etwa Handteller große Fläche ist schon ein recht großer Siedlungsraum!

Das zweite Bild der Sandlückenfauna zeigt die sehr schnellbeweglichen Strudler, in der Regel sind es Euplotes Arten und kleine Würmer. Im Gegensatz zu den bisher betriebenen Aquarien fehlen Strudler wie Beispielsweise die Tintinnopsis spez. die ich im Teil 2 der Ostseeaquaristik abbildete. Hier muss noch durch weiteres Naturmaterial und Refugien Abhilfe geschaffen werden.

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Dieses Bild lässt eine hohe Zahl an kleinen Strudlern und Wimperntierchen erkennen. Dieses Massenauftreten hat seine Ursache in der hohen Bakteriendichte im Aquarium, speziell der Substrat besiedelnden Bakterien. In einem Kaltwasseraquarium ist für Fische die hohe Bakteriendichte eine gefährliche Sache. In der kalten Jahreszeit stellt sich im Aquarium ein gewisses Gleichgewicht zwischen Bakterien und Fressfeinden ein. Der Stoffwechsel ist recht langsam ablaufend. In dem Maße wie die Temperaturen steigen, kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung der Bakterien durch schnelleren Stoffwechsel und Teilungsraten als dem der Fressfeinde, was fatale Auswirkung auf die Aquarienbewohner hat.

Der geringe bzw. fehlende Pflanzenwuchs stellt keine Bakterien hemmenden Stoffwechselprodukte bereit. An den von Bakterien abgegebenen Stoffwechselprodukten vergiften sich die Tiere. Darum ist es sehr empfehlenswert eine UV-C Anlage zu betreiben.

Ein Indiz für die Bakterienvermehrung ist die Besiedlung der Glasscheiben und die Arbeitsweise des Abschäumers. Eine UV-C Wasserbehandlung ist wegen der stark verminderten Leistung der Lampen bei niedrigen Temperaturen nicht besonders effektiv. Man ist daher gezwungen diese Geräte wesentlich stärker zu dimensionieren. Im Sommer ist durch zusätzlichen Wärmeeintrag großer Geräte die Leistung wieder zu verkleinern oder ein (zweites) geringer dimensioniertes Gerät für Dauerbetrieb zu benutzen.

In Kombination mit temporärem Einsatz eines Ozongerätes ist dabei eine Kompensation möglich, das bedeutet allerdings Investitionen in teures Equipment unter der Beachtung der Obsoleszenz technischer Geräte. Bei Ozoneinsatz sind Wasserwerte besonders gut zu überwachen denn ein zuviel kann irreparable Schäden am Besatz nach sich ziehen.

Viele weitere Organismen besiedeln den Bodengrund und ich lege im Moment sehr großen Wert auf diese Arten, auch wenn dadurch das Aquarium ein wenig „ungepflegt“ erscheint, denn sie sind die Grundvoraussetzung für hochwertige Futtertiere. Genau wie in den natürlichen Gewässern findet in der kalten Jahreszeit eine ausgeprägte Entwicklung von Kieselalgen statt. Sie können mit wenig Licht die Photosynthese ausreichend betreiben, und es besteht kaum Nährstoffmangel durch andere Algenarten. Das führt im Frühjahr zu einer sehr starken Entwicklung von Copepoden, die diese Algenarten bevorzugt aufnehmen.

Als limitierender Faktor tritt dann ab Anfang Mai der Silizium Mangel in Erscheinung, so dass die entstehende Nische von Grün- und Blaualgen besetzt wird. Auch bei diesen Algenarten kommt es abhängig von den Jahreszeiten zu bestimmten Abfolgen, die dann mit Nitrat- und Lichtlimitierung sowie Temperaturerhöhung im Zusammenhang steht. Die Limitierung von Silizium beobachten wir auch in der Einfahrphase von tropischen Aquarien. Das durch Kieselalgen aufgenommene Silizium verbleibt in unlöslicher Form in den Schalen der Alge erhalten. Absichtlich verwende ich aus diesem Grund kein Osmosewasser, die Stadtwerke sorgen zurzeit für Silizium Nachschub!

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Wir erkennen hier eine gewisse Vielfalt und auch erhebliche Größenunterschiede von Kieselalgen. (Wer mag, kann versuchen sie zu bestimmen und als Bezugsgröße die 0,1-0,4 mm der Sandkörner nehmen. Das Objektiv ist das gleiche.) (4) Ich werde versuchen, einige Algen zu selektieren, um eine Kultur dieser Algen für die Futterzucht aufzubauen.

Problematisch ist die Sterilisation solch eines Ansatzes mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Leider sind wichtige, in der Ostsee typische Kieselalgen nicht vertreten, denn die sind streng kalt stenotherm und darum mit meinen Mitteln nicht reproduzierbar. Die Aufnahme zeigt noch weitere wesentliche Merkmale. Die in der Ostsee typischen Blaualgen sind nur sehr gering vertreten, fädige Blaualgen fehlen fast völlig. Das wiederum lässt auf das Nährstoff Milieu gewisse Rückschlüsse zu. Im Gegensatz zu den bisher betriebenen Aquarien ist das Nährstoffniveau sehr niedrig.

Damit ist der Nachweis der ausreichenden Abschäumung und Wasserbehandlung erbracht. Diese Verhältnisse versucht man seit Ende der 80iger Jahre in den Ostseegewässern anzustreben. Geringere Eutrophierung und Abbau von Nährstoffdepots sind in der Natur allerdings nur mit gewaltigem Aufwand erreichbar. Bis Ende der 90iger Jahre wurde zunächst der Nährstoffeintrag in die Ostseegewässer durch Neubau von Kläranlagen erheblich reduziert. Aber der diffuse Eintrag durch die Einzugsgebiete erfordert noch erhebliche Anstrengungen. Dazu gehört beispielsweise die Verringerung der Fließgeschwindigkeit von Flüssen durch Rückbau von Begradigungen. Auch die Entnahme der in Sedimenten festgelegten Nährstoffe ist ein wichtiger und sehr wirksamer Beitrag der Renaturierung. Es werden Entnahmeflächen angelegt, in die das Sediment ablagert, da man natürlich nicht großflächige Entnahmen machen kann. Das funktioniert ganz ausgezeichnet und man geht davon aus, dass in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren eine geringere Eutrophiestufe erreicht wird.

Besonders die Boddengewässer werden davon profitieren, da sich wieder Makrophyten ansiedeln können, die sehr Lichtbedürftig sind und ein festgelegtes Sediment benötigen. Durch die zurzeit vorherrschende Eutrophiestufe entsteht neben Lichtmangel eine sehr starke Sedimentation durch Feinstmaterial, was eine Neuansiedlung der Makrophyten verhindert.

Leider sind diese Verhältnisse außerordentlich stabil, da vorherrschende Phytoplanktonarten diesen Verhältnissen angepasst sind und durch Lichtlimitierung sowie starker Sedimentation den Makrophyten die Lebensgrundlage entziehen und Nährstoffe zusätzlich eintragen (5).

Eine weitere Aufnahme von einer „Gammelecke“ zeigt den kleinen Aufwuchs, der sich zwischen Algenresten bildet. Diese Tierchen, die zu den Vorticellaidae gehören, kommen auch in tropischen Aquarien vor. Auf einen langen Stiel sitzt ein Gebilde mit einem winzigen Tentakelkranz. Ab und zu wird der Stiel mit dem das Tier sich befestigt eingerollt und langsam wieder ausgestreckt. Diese Bewegung ist so schnell, dass das menschliche Auge einzelne Bewegungsabläufe nicht wahrnehmen kann. Faszinierend!

Glockentierchen selektieren ihre Nahrung nach Größe, es sind Algen- und Bakterienfresser. Im oberen Teil erkennt man sehr schnell pulsierende Bewegungen durch ein spezielles Pumporgan, ein so genannter Sternzellenapparat. Er ist erforderlich um durch die Einschnürung des Kelches an der Stelle des Übergangs zum Stiel einen Nährstofftransport zu ermöglichen, der durch diesen Engpass behindert wird. Die kleinen runden (Nano) Gebilde sind Blaualgen Coelosphaerium minutissimum, die sich in hoher Anzahl bei den Algenresten finden lassen, die größeren sind Algensporen von höheren Algen.

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Ein Pantoffeltierchen aus dem Ostseeaquarium, welches ich erstmals in einer aufkommenden Grünalge entdeckte. Normalerweise werden solche Tiere angefärbt, mit Tusche beispielsweise, um Einzelheiten besser sichtbar zu machen. Ich habe darauf verzichtet und ein lebendes Tier abgebildet.

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Ungemein vielgestaltig erweist sich die Kleinstlebewelt meines Aquariums. Insgesamt ist die Entwicklung erfreulicher als auf den ersten Blick erkennbar ist. Der erreichte Entwicklungsstand und auch die dynamischen Veränderungen sind immer wieder faszinierend. Für eine weitere erfolgreiche Entwicklung sehe ich gute Voraussetzungen geschaffen.

Es kam anders als gedacht!

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Einige Tage, nachdem ich diesen Bericht zu schreiben begann, schaute ich etwas genauer hin. Am oberen Rand der Schottwand ist von mir unbemerkt eine Grünalge (eine Ulva Art) entstanden. Ich habe sie noch nicht bestimmt und möchte auch ein wenig abwarten, was noch entstehen wird. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben und jetzt freue ich mich umso mehr. Wenn doch noch einige Rotalgen aufkommen würden… Übrigens, in dieses Aquarium wurde keine Ulva Art eingesetzt und es ist immer wieder faszinierend, wenn man die Widerstandsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit von Algen und ihren Sporen erleben kann. Der braun aussehende Belag erwies sich unter dem Mikroskop als eine Ansammlung von Kieselalgen und einer Chaetomorpha Art, die ich im Herbst mit in das Aquarium einsetzte.

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Grünalge Chaetomorpha spez.(aerea?) und Kolonien der Blaualgen der Gattung Microcystis

Ob sich aus dieser im Herbst zerfallenden Alge eine neue Pflanze entwickelt, wird sich erst nach einiger Zeit herausstellen. In der Vergangenheit war ich immer zu optimistisch, was den Pflanzenwuchs betrifft. Auch diese Alge ist sehr stark von Zooplankton besiedelt, was durch ihre momentane feine Struktur solche Dinge stark fördert. Hier herrschen andere Organismen als im Sandgrund, vor wie beispielsweise Pantoffeltierchen, Bärtierchen und andere abgeflachte Strudler.

Viele Arten sind einjährige Pflanzen. In der lichtarmen Jahreszeit reifen ihre Sporen und bei größerer Verfügbarkeit von Licht wachsen sie sehr schnell zu großen Pflanzen heran. Im Aquarium habe ich die Lichtdauer den natürlichen Verhältnissen nicht angepasst, anbetracht der Bakteriendichte kann das dem Milieu nur gut tun, wenn Pflanzen wachsen.

Die nachfolgenden Bilder entstanden nach einer Vegetationspause von 3 Monaten. Auf dem gleichen Substrat wie das auf dem obigen Bild entwickelte sich ein Gewächs, dass heute (Ende März) eine Länge von 1 cm erreicht hat. Entdeckt hatte ich das nachdem ich das Substrat von Blaualgen reinigte, die den Stein überdeckten. Es scheint die gleiche Art zu sein.

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Die Aufnahmen zeigen die vielleicht aufkommende Alge Mitte und Ende März 2010


Blaualgen, ein Problem?

Bei dem Begriff Blaualgen erscheinen automatisch Sorgenfalten im Gesicht des Aquarianers. Natürlich, sie sind als Anzeiger für ein nährstoffreiches Milieu im Aquarium bekannt. Vor vielen Jahren wurde aber auch das Phänomen einer Reinstwasserform der Blaualgen im tropischen Aquarium diskutiert. Ist da was dran und wie problematisch sind Blaualgen im Aquarium und in der Natur? Wieso bekommt man diese Organismen so schlecht in den Griff?

Blaualgen sind als eine der anpassungsfähigsten Organismen in jedem Aquarium anzutreffen. Ob sie dominant werden hängt von mehreren Faktoren ab:

• Dem Verhältnis von Nährstoffen untereinander und deren Verfügbarkeit.

• Temperaturverhältnisse.

• Lichtangebot.

• Konkurrenten und deren Stoffwechsel.

Im Brackwasser kommt noch die geringe Salinität als ein Entwicklungsfaktor dazu, welcher Blaualgen besonders begünstigt. Viele Algen haben zwar ein recht breites Spektrum der Anpassungsfähigkeit an verschiedene Salzkonzentrationen, aber in diesem Milieu haben die Blaualgen auch auf Grund ihres spezifischen Stoffwechsels ein breiteres Spektrum ihrer biologischen Parameter. Sie sind vor allem in der Lage, limitierte Nährstoffe durch andere Quellen zu erschließen. Kommt es in den langen Lichtperioden durch starken Grünalgenwuchs zu einer Limitierung von Nitrat, brechen die Grünalgenbestände in kurzer Zeit zusammen, so wie das im Frühjahr durch Limitierung von Silizium bei Kieselagen der Fall ist.

Blaualgen sind in der Lage, Stickstoff aus der Atmosphäre unter hohem Energieeinsatz zu binden. Gefördert werden diese Prozesse, wenn ein Übermaß an Stickoxyden vorliegt. Die lange Lichtverfügbarkeit im Sommer sorgt für reichlich Energie, höhere Wassertemperaturen beschleunigen die Vermehrungsrate der Blaualgen. Der immer schneller ablaufende Stoffwechsel begünstigt kleinwüchsige und die hohe Zelldichte die schwachlicht Formen, welche die Gewässer dominieren. Durch den Stoffwechsel der Blaualgen wird nicht nur Stickstoff aufgenommen sondern auch an das Wasser abgegeben! Damit kommt es zu einem zusätzlichen Nährstoffeintrag in den Gewässern.

Der zweite Nährstoff, Phosphat, ist im Sediment in riesigen Mengen gebunden und geht durch Rücklöseprozesse und Eintrag durch Flüsse immer wieder in Lösung. Blaualgen bilden Heterozysten, in denen sie Nährstoffe einlagern. Bei einem schnelleren Stoffumsatz entsteht sehr viel Sediment, was eine Besiedlung des schlammigen Bodens durch Makrophyten verhindert und zusätzlich zu einer Verschlechterung der Lichtsituation beiträgt.

Diese Prozesse sind hoch stabil, von außen nicht mehr beeinflussbar und nur durch das Verhindern von Nährstoffeinträgen sowie gleichzeitigem Austrag von Phosphat aus den Gewässern wird mittels Sedimententnahme mittelfristig die Verbesserung der gegenwärtigen Situation möglich. Das überlegte Management der Düngung und die Extensivierung der Landwirtschaft sind weitere Maßnahmen. Punktuelle Quellen des Nährstoffeintrages müssen verschlossen werden mit dem Bau von Klärwerken und letztendlich auch diffuse Quellen so verändert werden, das Nährstoffe sich vor Eintrag in die Ostsee sedimentieren können,beispielsweise durch Verlangsamung von Fließgeschwindigkeiten der Flüsse.

Mittels Meliorationsmaßnahmen der Landwirtschaft wurden ja Flüsse begradigt und „ausgeräumt“ ,Stichwort Flurbereinigung und Intensivierung der Landwirtschaft. Diese Maßnahmen müssen unter großem Aufwand rückgängig gemacht werden, um die Nährstoffbilanz der Ostsee- und Boddengewässer weiter zu verbessern. Das alles lässt natürlich Rückschlüsse auf das Aquarium zu. Auch hier müssen wir eine Depotbildung von Phosphat vermeiden sowie auf ein vernünftiges Nitratmanagement achten.

Heute sind wir durch Maßnahmen wie exzellente Abschäumung, Futtermittelauswahl mit Eiweiß abgereichertem Futter, Phosphatabsorber und Substratauswahl in der Lage, wirksam eine Depotbildung von Nährstoffen zu vermeiden. Kommen noch weitere Maßnahmen wie Algenkulturen dazu, bringen wir Blaualgen hemmende Stoffwechselprodukte ins Wasser, bieten vielen, Phytoplankton fressenden Kleinstlebewesen Siedlungsraum und sorgen gleichzeitig für ein attraktives Aquarium.

Im Aquarium ist leider genau das schwierig umzusetzen, da man einerseits nicht genügend und andererseits nicht die entsprechende Artenanzahl aufrechterhalten kann.


Warum klettern Schnecken aus dem Aquarium?

Die Schnecken der Gattung Littorina sind als ausgezeichneter Algenfresser bekannt. Ihre eurytherme und euryhaline Lebensweise gestattet es sie sogar in tropischen Aquarien zu pflegen. Leicht zu halten sind sie dennoch nicht. Auf der Suche nach Nahrung klettern sie aus dem Aquarium und vertrocknen irgendwann, wenn der Pfleger das nicht bemerkt. Dieses Verhalten möchte ich etwas näher vorstellen. Dazu betrachten wir uns einmal die Schnecke, besonders möchte ich auf ihre Augen verweisen.

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Wozu benötigt solch ein Tier Augen und was kann es überhaupt sehen?

Untersuchungen an dieser Schnecke brachten erstaunliches zu Tage. Schnecken orientieren sich in der Regel sehr gut anhand chemischer Stoffe und finden somit ihr Futter. Nun, scheinbar reicht das diesem Tier nicht aus, denn in der Natur passen sich Lebewesen der Umwelt an und bilden spezialisierte Körperteile aus. Die Augen der Schnecke sind primitiv und das Tier kann damit keine Einzelheiten oder Bewegungen erkennen. Es sind Becheraugen, die im Laufe der Evolution gebildet wurden.

Sie versetzen das Tier allerdings in die Lage, sich nach dem Licht zu orientieren. Da wo helles Licht ist, wächst die Nahrung der Schnecke… Somit klettert sie auf der Suche nach Nahrung auch aus dem Aquarium. Man kann das einigermaßen unterbinden, wenn man die Zugstreben des Aquariums abdunkelt. Ich habe in meinem Aquarium eine Möglichkeit geschaffen, mittels einer „Kletterwand“ ihrem Bedürfnis zu entsprechen. Um den Weg zurück zu weisen ist in der Nacht eine punktuelle Lichtquelle, deren Lichtkegel auf eine gewünschte Stelle orientiert ist, sinnvoll.

Um einen Eindruck eines Becherauges zu vermitteln, können Sie sich einmal einen Joghurtbecher mit dem Boden vor das Auge halten. Decken Sie den Deckel mit einem Papier ab. Damit ist schon einmal eine sehr gute Ausrichtung auf eine Lichtquelle möglich. Bohren Sie ein winziges Loch in den Papierdeckel, verbessert sich die Ausrichtung wesentlich und es sind Konturen der Lichtquelle erkennbar. Verdunkelt man den Becher seitlich und vergrößert die Bodenfläche, hat man schon mal eine Laterna obscura, die sich durch das Einsetzen einer Linse weiter verbessern lässt. Das Bild ist zwar seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend, aber durch das Lernverhalten von Lebewesen wird das Bild „richtig“ gestellt. Babys lernen das, in dem sie die Objekte anfassen und sie „begreifen“ im wahrsten Sinne des Wortes ihre Umwelt.

Eine weitere Schnecke ist Insasse im Aquarium. Es ist die Kahnschnecke Theodoxus spez., ein Tier das ursprünglich im Süßwasser beheimatet ist.

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Sie ist außerordentlich variantenreich in der Färbung des Gehäuses. Sie kann ihre Schale mit dem Operculum verschließen, einem kalkigen Deckel. Ihre hauptsächliche Ernährung besteht aus Kieselalgen, Grünalgen frisst sie (laut Literatur) nicht, aber bei mir im Aquarium.

Hochinteressant ist die Fortpflanzung dieser Tiere. Der rechte Fühler der männlichen Tiere ist zu einem Penis umgestaltet. Die Weibchen haben unter dem Mantelrand zwei Geschlechtsöffnungen. Die Eiablage erfolgt nachts in kuppelförmigen Eikapseln in der Zeit von April bis Oktober. In jeder der Eikapseln liegen zwischen 50-80 Eier. Daraus entwickelt sich in der Zeit von vier bis acht Wochen nur ein einziges, etwa 1mm großes Jungtier. Die übrigen Eier dienen der Ernährung!Eikannibalismus macht Sinn in der Begrenzung der Vermehrungsrate und dient der besseren Überlebensrate dieser Art, behindert allerdings deren Ausbreitungsfähigkeit.

Diese Schnecke braucht für den Liebesakt etwa 5-6 Stunden. Aber das ist noch nichts gegen die Große Egelschnecke Limax, einer Nacktschnecke, die in den mitteleuropäischen Wäldern lebt. Ein Zwitter, der nach stundenlanger Verfolgung eine etwa 20 Stunden dauernde Verpaarung praktiziert. Wenn die Schnecken ihre Spermatophoren austauschen, verlängert sich der Penis der Tiere, die selbst nur 15 cm lang sind, auf bis zu 85 cm! (6)

Wieder einige Tage später…

Erneut habe ich den Bodengrund nach Lebewesen durchsucht. Einige Spuren deuteten auf Aktivitäten von Borstenwürmern oder kleinen Scherenasseln hin. Welche Tiere das sind kann ich im Moment noch nicht sagen, da ich diese Aktivitäten noch beobachten möchte. Eine Scherenassel ist auf dem kleineren eingefügten Bild zu erkennen. Sehr schön zu sehen ist auch das in Schichten eingearbeitete Material im Bodengrund und dass es sich nicht durch Lösungsprozesse veränderte. Es besteht dennoch die Möglichkeit eines Stoffumsatzes, wenn Pflanzen in diesem Bereich wurzeln.

Für mich ist es schwierig hier die richtigen Schlüsse zu ziehen. Außer der Versorgung mit Spurenelementen und Düngemitteln ist es für Pflanzen von besonderer Bedeutung, biologische Komponenten wie Bakterien, Hefen, Pilze und auch das Zooplankton als Umweltfaktor einzubeziehen. Ohne sie sind sie nicht lebensfähig. Wenn diese Organismen auf den ersten Blick nicht sofort in Beziehung mit den Pflanzen zu setzen sind oder sie gar bedrängen und schädigen, bildet alles zusammen dennoch eine vielfach miteinander in Beziehung und Abhängigkeit stehende Gemeinschaft.

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Im Ostseeaquarium dauert es sehr lange bis solche Voraussetzungen entstanden sind und erste Anzeichen für einen Erfolg sichtbar werden. Anfang September wurde das Aquarium eingerichtet, jetzt ist es Mitte Februar. Für ein schönes Aquarium wird es allerdings noch ein Weilchen länger dauern! Immerhin, der Meersalat entwickelt sich, wenn auch sehr langsam zu einer richtigen Pflanze. Das kann man im nachstehenden Bild gut mit Bild 7 vergleichen.

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Ein kleines Stück der oberen Schottwand, dicht an der oberen Wasserlinie, bietet dem Meersalat gute Bedingungen. Dieses kleine Pflänzchen etablierte sich vor etwa 4 Wochen, ob es noch richtig groß wird? Im Moment schaut es jedenfalls gut aus. Auffällig ist die extreme Unterschiedlichkeit jedes einzelnen Aquariums in seiner biologischen Entwicklung. Selbst ein Verbund von 3 Aquarien, die auch sehr nah beieinander stehen, hat niemals die gleiche Entwicklung zur Folge. So ist es auch in der Natur und führt zur Entwicklung der Arten und Biotope.

Wer immer die Möglichkeit hat, sich ein Refugium einzurichten, sollte das tun, die Entwicklung kann spannender sein als im Hauptaquarium! Hier können sich Arten entwickeln, die in dem anderen Behälter unterdrückt oder verdrängt werden. In den Aquarien nimmt im Laufe der Zeit die Artenvielfalt ab, mit einem Refugium wird dieser Prozess wesentlich langsamer ablaufen. Natürlich darf man dabei die zusätzlichen Kosten nicht vernachlässigen. Oftmals sind Technikaquarien vorhanden und lassen sich mit wenigem Aufwand umrüsten. So können kleine aber feine Aquarien entstehen, bei denen auch ein wenig mit Besatz experimentiert werden kann.

Meine Aquarien hatte ich ja schon für den Verbund vorbereitet. Wenn ich im Frühjahr an die Ostsee fahre, will ich mir noch ein solches Miniaquarium einrichten, die Simulation eines in größerer Tiefe liegenden Riffes. Seesterne, Aktinien und Krabben stehen auf der Wunschliste, welche Tiere dann tatsächlich einziehen werden, hängt immer ein wenig von der Verfügbarkeit im Fanggebiet ab. Der eine oder andere Köm wird mit den Fischern noch zu leeren sein…


Anfang März.

Leider ist heute die letzte der Crangon crangon verendet. Sie hatte noch ein Stück Muschelfleisch in eine ihrer Scheren. Die Haltung dieser Art im Aquarium betrug somit 6 Monate. Keine Garnele hatte Laich angesetzt. Die Haltung dieser Garnelenart ist somit noch lange nicht optimal, auch wenn ihren Temperaturansprüchen wesentlich besser entsprochen wurde.

Bei der Kontrolle der Wasseraufbereitung musste ich den Defekt der UV-C Anlage feststellen, sie hat nur die Hälfte der vom Hersteller angegebenen Betriebszeit erreicht. Somit ist der Verlust wieder einmal auf die unkontrollierte Bakterienvermehrung zurückzuführen.

Auch bei den Palaemon Garnelen gibt es Auffälligkeiten. Tagsüber ist keine dieser Garnelen sichtbar, nur wenn man nachts mit einer Taschenlampe ausleuchtet, sieht man sie. Abgesehen von dieser hervorragenden Tarnung, warum verstecken sich die Tiere, was ist der Grund für dieses Verhalten? Sind sie tragend und suchen Deckung oder ist das Verhalten durch die tiefen Temperaturen begründet, die sie in der Natur (tiefe und dunkle?) Bereiche aufsuchen lassen, wo sie bessere Bedingungen finden? Mit Beobachtungen im Aquarium sind diese Fragen nicht zu beantworten.

Die Entwicklung des Meersalates gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Wasserwechsel, Vitamingabe und Eisendüngung sollen die Entwicklung vorantreiben. Bis jetzt findet eine Entwicklung statt, die den Meersalat auf langsam, immer größer werdenden Flächen gedeihen lässt und weniger ein Längenwachstum. Dabei sind die kleinen Pflanzen überwiegend an exponierten Stellen der Substrate wachsend.

Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Es wächst leider auch nichts schneller, wenn daran gezogen wird. Große Hoffnungen setze ich auf das Frühjahr, wenn neue Pflanzen und Tiere in das Aquarium eingesetzt werden sollen. Ein kleines Blättchen vom Blasentang konnte ich noch entdecken, ob es gelingt, daraus eine größere Pflanze wachsen zu lassen?

Natürlich lässt sich ein Artenreiches Aquarium besser aufbauen, wenn das Wasser höhere Salzkonzentrationen hat. Internetveröffentlichungen und Diskussionsbeiträge in Foren zeigen recht gut, was mit Themenaquarien wie Nordsee- und Atlantik heute machbar ist. (7, 8) Bedauerlicherweise sind die meisten der öffentlichen Schauaquarien weit entfernt von diesen Möglichkeiten und ich bin immer enttäuscht, wenn ich solche Einrichtungen besuche.


Mitte März

Einige Tierchen konnte ich heute entdecken, die meiner Aufmerksamkeit bisher verborgen waren. Es sind die auf einer Muschel aufsitzenden, krustige Kolonien bildenden Moostierchen Membranipora crustulenta.

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Darüber freue ich mich besonders, denn diese Filtrierer haben es in dem an Plankton armen Aquarium nicht einfach. Auch hier war zum Zeitpunkt der Sammelreise keine Muschel sichtbar bewachsen und immer wieder ist es faszinierend, wie lebensfähig und wie regenerationsfreudig solche Organismen sind. Es gibt noch viel mehr sessile Filtrierer in der Ostsee, die nicht nur interessante Verhaltensweisen und Anpassungen an ihre Umwelt besitzen, sondern auch von Gestalt und Färbung und Bewegungsformen attraktive Tiere sind.

Sie haben einen sehr hohen Stellenwert bei der Beurteilung der Wasserqualität und sind oftmals Zeigeorganismen. Dazu gehören auch die Seepocken. Bei mir im Aquarium habe ich dieses Jahr erstmals eine Vermehrung dieser Tiere feststellen können. Im alten Aquarium habe ich diese Tiere immer besonders beobachtet, denn ihre Art und Weise der Vermehrung ist äußerst interessant. Es sind ja sessile Tiere, die in ihrem Gehäuse in ihrer Bewegung doch sehr eingeschränkt sind. Ja, wie machen sie das nun?

Sie haben einen sehr langen Spermatophor, mit dem sie ihre Umgebung erreichen und ihre Geschlechtsprodukte austauschen. Sie scheinen genau zu „wissen“ wo der entsprechende Partner sitzt. Für solche Tiere erscheint es nur logisch, warum sie Kolonien bilden.

Doch warum siedeln sich die Jungtiere in der Nähe der Alttiere an und besiedeln nicht Gebiete ohne Konkurrenten? Dafür scheinen neben der Partnerauswahl noch andere Kriterien vorteilhaft zu sein denn sonst wäre eine auffallende Koloniebildung nicht erforderlich, denn sie steht ja der Ausbreitung der Art entgegen. Bei der Selektion des Siedlungssubstrates, und das haben wir hier auffälligerweise vor Augen, werden die Gebiete mit Seepockenbewuchs besonders bevorzugt. Nahrung, Geschlechtspartner, Verteidigung gegen Fressfeinde, Befestigungsmöglichkeiten usw. sind in solch einer Gruppe viel besser möglich als bei Einzeltieren.

Die Tiere des Benthos entfernen viel organisches Material, filtrierend oder als Substratfresser verwerten sie abgestorbenes Material von planktischen Algen und benthischen Pflanzen. Die hohe Anzahl und Reproduktionsfähigkeit ist eine Ernährungsgrundlage für die Fische und in der Natur für viele Vögel.


„Graue Mäuse“

Wenn aus einer „grauen Maus“ ein herrliches gefärbtes und in seinem Verhalten faszinierendes Tier entsteht, dann ist das beim Stichling der Fall. Erstmalig konnte ich das im vergangenen Jahr in meinen Aquarien dokumentieren. Wenn man bedenkt, wie aufwändig und Kräfte zehrend die Anlage von Geschlechtsprodukten, Balz, Revierverteidigung und Nestbau für diese Tiere sind, bekommt man allergrößten Respekt vor dieser Leistung des nur wenige Zentimeter großen Tieres. Und die ganze Geschichte geht über Monate!

Dieses Jahr möchte ich das besser dokumentieren als voriges Jahr und dafür muss ich allerdings noch einige Voraussetzungen schaffen. Ganz wichtig ist eine Dekoration, die deutlich abgrenzbare Reviere zulässt. Auch die Versteckmöglichkeiten für Weibchen müssen sehr gut angelegt sein, damit man keine Tiere durch Überforderung und Aggressivität der Männchen verliert.

Es gibt daher noch einiges zu tun und ich bin immer noch auf der Suche nach einer alternativen Dekoration durch Kunstpflanzen. Ich verlasse mich nicht auf Naturmaterial, denn wie bereits mehrfach beschrieben, ist die Kultur sehr unsicher.

Was von einigen Stichlingen angenommen wird, ist das Hartsubstrat mit seinen Spalten und Höhlen. Aber Stichlinge können sich abweichenden Gegebenheiten durchaus anpassen. So konnte ich beobachten, dass unter dem Hartsubstrat der Sand durch Flossenbewegungen entfernt und Nistmaterial unter das Substrat gebracht wurde. Leider ist die Position im Aquarium nicht fotografierbar.

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Die Bilder dokumentieren die Stichlinge wenn sie in Brutstimmung kommen.

Für mich ist das der Anlass noch mehrere kleine Riffe und Sichtblenden zu bauen, um ihren Bedürfnissen entgegenzukommen. Eine Stichlingszucht beabsichtige ich nicht. Übrigens ist es ganz schön schwierig, Bilder dieser quirligen und bisweilen scheuen Tiere zu schießen. Sie können ausgezeichnet sehen. Selbst wenn ich die Tür im Raum vorsichtig öffne, verschwinden die Tiere in der Dekoration. Für Fische endet das Revier nicht an den Glasscheiben des Aquariums, der Wohnraum wird als Umgebung des Reviers mit einbezogen.

Das hat Konsequenzen auf das Verhalten des Pflegers, selbst das Verstellen eines beliebigen Gegenstandes wird als Gefahr erkannt. Um die Tiere nicht unter Stress zu setzen, hat man die Umdekoration des Mobiliars zu unterlassen und bei nicht vermeidbaren und lang andauernden Maßnahmen, wie sie das gelegentliche Renovieren der Wohnung sind, durch Sichtblenden zu verbergen. Ich benutze dazu dunkle Decken, um Spiegelungen zu vermeiden. Lang anhaltender Stress kann bei Fischen eine Schwächung des Immunsystems hervorrufen, die sie nicht kompensieren können. Sicherlich ist Ihnen dieses Verhalten auch schon aufgefallen, wenn Sie Besuchern ihr Aquarium präsentieren wollten.

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Beim Nestbau wurde dieses Männchen beobachtet. Übrigens nicht nur von mir sondern vor allem von den in einer Deckung stehenden Weibchen. Dieses Bild stammt noch aus meinem alten Aquarium.

Dreistachlige Stichlinge sind Tiere, die im Gegensatz zu anderen Stichlingen am Bodengrund ihre Nester bauen. Diesem Verhalten ist durch ein geschicktes Arrangement der Dekoration und dem passenden Besatz entgegenzukommen, denn sehr schnell kann man unterlegene Tiere verlieren. Ein Tier der vorjährigen Fangaktion hatte ich in Einzelhaltung in einem kleineren Aquarium. Erstaunlicherweise wurde dieser Fisch um etwa ein drittel größer als die Tiere in Gemeinschaftshaltung. Hatte nur dieser Fisch genügend Nahrung für diesen Wuchs? Oder ist die Begrenzung des Aquariums und die Besatzdichte ein Faktor für die Größe der Tiere? Nun, bei dem jetzt wesentlich größerem Volumen und geringerem Besatz ist kein Wachstum erfolgt wie bei dem Einzeltier. Welche Faktoren tatsächlich dafür in Frage kommen, weiß ich nicht.


Eine Grundel

In den Seegraswiesen und den sandigen Uferzonen findet man eine kleine Grundel, die oftmals in großen Gruppen anzutreffen ist. Im Aquarium entpuppen sie sich jedoch schnell als einzelgängerische Tiere mit größerem Individualabstand. Mehrere Ursachen kommen in Frage wie Nahrungsmangel, fehlender Feinddruck und zu geringe Anzahl an Individuen sowie einsetzende Geschlechtsreife. Ob das Verhalten auch jahreszeitlich Abfolgen hat, kann ich mit Beobachtungen im Aquarium nicht beurteilen.

Vom Aussehen erscheinen sie zunächst unscheinbar, doch wer genauer hinschaut, wird überrascht sein, wie filigran ihre Körperzeichnungen sind und so manche Dinge erkennt man erst nach einiger Zeit, wie den Signalfleck ihrer Rückenflosse. Normalerweise ist die Rückenflosse angelegt und nur für den Bruchteil einer Sekunde aufgerichtet. Die ersten Hartstrahlen sind zudem noch farbig und kommen besonders gut zur Geltung, wenn man das Tier von vorn betrachten kann. Auch die Augenringe sind leuchtend gelb, ein herrlicher Kontrast zu den tiefschwarzen, glänzenden Augen.

Diese Grundeln sind leider recht schreckhaft und springen aus dem Aquarium, so dass man hier einige Vorkehrungen treffen muss. Obwohl von der Körpergröße klein, benötigen sie regelmäßig kräftiges Futter mit hohem Chitin- und Algengehalt, ohne diese Ernährung gehen sie schnell zugrunde. Somit ist ihre Haltung durchaus anspruchsvoll. Obwohl sie Futtergranulat annehmen, ist das nicht ausreichend für eine gute Ernährung.

Ihr Brutpflegetrieb macht diese Tiere zu etwas ganz besonderem. Das Gelege wird in einer Muschelschale abgelegt und sehr sorgsam behütet. Umgeworfene Muschelschalen werden wieder in die richtige Lage gebracht. Aber das ist noch nicht alles. Man kann das Gelege in ein anderes Aquarium bringen, den Fisch dazusetzen, ohne dass das Brutgeschäft aufgegeben wird. Das ist wirklich faszinierend! Leider ist die Digitaltechnik nicht so gut um das Tier wirklich perfekt abbilden zu können.

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Pomatoschistus microps


Riffe in der Ostsee.

In meinen Beiträgen ging ich oft auf die Bedingungen ein, die zu einer hohen Besiedlungsdichte und Artenvielfalt führen. Stark strukturierte Bereiche des Benthos, besonders die Hartsubstrate, sind dafür erforderlich und in einigen Bereichen der Ostsee hilft man mit Anlagen künstlicher Riffe nach. Dabei hat man in erster Linie die Kultur von bestimmten Rotalgen als Zielsetzung, Sekundäreffekte wie Laich- und Aufenthaltsräume für Fische, besonders der Dorsche, sind ebenfalls Bestandteil wissenschaftlicher Untersuchungen.

Erfreulicherweise wird dort eine von mir sehr begehrte Rotalge angesiedelt, die mit zu den schönsten Kaltwasseralgen zählen. Delesseria sanguinea Lamouroux 1813, der Blutrote Seeampfer, soll auch in meinem Aquarium gedeihen. Das Problem dabei ist, dass diese Alge normalerweise in Tiefen vorkommt, die man ohne Geräte nicht erreicht.

Die mir bekannten Kulturbedingungen sind wieder einmal sehr anspruchsvoll. Erwachsene Exemplare sind äußerst schwierig einzugewöhnen, die aus den Blattrippen sprossenden Advenitivpflanzen leider nur selten für eine weitere Entwicklung geeignet. Wenn diese Alge zerfällt, setzt sie in großer Zahl Sporen frei, die nach etwa 14 Tagen sichtbar auf Substraten siedeln. Sie werden mit dem Substrat in das Aquarium verbracht und müssen sich dann dem Milieu anpassen.

Meist gelingt das nur einigen wenigen Exemplaren. Das Licht sollte für diese Algen etwas stärker gedämpft sein, man muss hier ein wenig experimentieren. Der Temperaturbegrenzung im Sommer muss eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt werden um sie recht lange am Leben zu erhalten. Sicherlich wird diese Liste noch um einiges länger werden!

Nach einem Gespräch mit einem Biologen der Uni Rostock bin ich eher pessimistisch, was die Erfolgsaussichten betrifft. Übrigens sind diese künstlichen Riffe sehr begehrte Tauchobjekte. Für Interessierte werden speziell geführte Tauchkurse angeboten. Sie finden in 20 Metern Tiefe ein Riff, etwa 8 Kilometer westlich von Warnemünde in einer Entfernung von 2 Kilometern vom Ufer in der Nähe der Ortschaft Nienhagen, ein weiteres zwischen Markgrafenheide und Graal Müritz in 6 Metern Tiefe und natürlich im Internet, wo man eine Web Kamera frei geschaltet hat. Schon von weitem sind die markanten Sendetürme sichtbar, die bei den Riffen aufgebaut wurden.

Selbstverständlich sind Kulturen im Freiland nicht problemlos steuerbar, denn viele Organismen siedeln sich „unerwünschter“ Weise mit an. Algenkulturen im (Groß) Aquarium sind bekanntermaßen nicht ganz einfach und für eine wirtschaftliche Ausbeute nicht rentabel. Dennoch, selbst wenn die Kulturversuche fehlschlagen sollten, das Riff wird bestehen bleiben und ein Anziehungspunkt für eine mannigfache Pflanzen- und Tierwelt werden. So ist selbst für rein touristische Vorhaben ein weiterer, sehr reizvoller Platz geschaffen worden.

In den nächsten Jahren lassen die Untersuchungen der biologischen Aktivitäten an diesen Riffen viel Wissenswertes erwarten. Sei es durch die Klimaveränderungen, Besiedlung mit Neozoen, der Fischereiwirtschaft oder auch der Pharmazie. Die Internetadresse dieser wirklich sehr interessanten Web Site ist www.riff-nienhagen.de die ich Ihnen hiermit empfehlen möchte. Beim Studium dieser Veröffentlichungen wird sicherlich wissenswertes für das Aquarium zu Hause in Erfahrung zu bringen sein.

Im Frühjahr plane ich eine Sammelreise an das Salzhaff bis Rerik und zu den Darß-Zingster Boddengewässern. Diesmal wird meine Aufmerksamkeit auch den schwierig zu kultivierenden Laichkräutern gelten, die neben weiteren Sandbewohnern Einzug im Aquarium halten werden. Einiges an Seegras und Schlick sowie Chara Algen sind weitere begehrte Objekte. Für die Hartsubstrate suche ich kleinere Algen, Seescheiden sowie Schwämme. Für den Herbst ist dann geplant, den Verbund mit einem weiteren Aquarium in Betrieb zunehmen, vorrangig sollen hier Tiere aus den tieferen Zonen gepflegt werden. Die Pflege von Aktinien wird vorläufig auf Grund der hohen Temperaturen ohne Kühlaggregat nicht praktiziert. Aber die Pflege von Krebstieren ist durchaus möglich.

Dieses Aquarium wird sehr viel Hartsubstrat und kleine Höhlen erhalten und nur wenig Sandbestandteile. Falls darin unvermutet Algen gedeihen, wird stärker beleuchtet. Eine Abdeckung mit einer Lichtrasterplatte hindert die Insassen am Verlassen des offenen Aquariums. Um ihrer Lebensweise entgegenzukommen, erhalten sie aber eine Trockenzone oberhalb einer Kletterwand. Einsetzbare Schottwände in diesem Aquarium gestatten eine zusätzliche Zonierung bei Besatz mit mehreren Krebsen. Doch davon mehr im nächsten Beitrag.


Mit freundlichen Grüßen.

Dietmar Schönfelder

Fachgruppe Meeresbiologie Berlin



Quellennachweis

Quellennachweis Literatur

1 Bischoff et al. www.fg-meeresbiologie.de/materials_current.php, pdf. 149

2 E.- A. Arndt Die Bodentierwelt der Darß- Zingster Boddenkette, Meer und Museum, Band 16, S.65-71

3 Trautmann Meerwasser- Aquaristik Großenhain

4 108 x vergrößert

5 H. Hübel und Chr. Wolff; Blaualgen und Stickstoff- Fixierung in den Darß- Zingster Boddengewässern; Meer und Museum Band 16, S. 46-52

6 Wirbellose I Bertelsmann: Faszination Natur S.251

7 www.riffaquaristik.at, Forum Mittelmeer-Atlantik-Nordsee-Ostsee

8 www.jonolavskaqvarium.com/blog/index.htm

Quellennachweis Bilder

Alle Bilder und Montagen Dietmar Schönfelder

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