Lebendgestein

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Was ist Lebendgestein

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Als Lebendgestein bezeichnet man in der Meerwasseraquaristik in der Regel den tropischen Meeren frisch entnommenes und per Luftfracht feucht geliefertes Riffgeröll. Es besteht zum überwiegenden Teil aus kalkhaltigen Bestandteilen wie z.B. aus Korallenskeletten, Kalkalgenskeletten, Muschelschalen und Röhren von Röhrenwürmern.
Hochwertiges Lebendgestein kennzeichnet sich durch eine hohe Porösität und ist oft mit reichlich Kalkrotalgen und höheren Algen bewachsen. Durch die poröse Struktur bietet es einen optimalen Siedlungsraum für Bakterien, welche im Meerwasseraquarium helfen, Ammonium, Nitrit und Nitrat abzubauen. Lebendgestein übernimmt damit eine wichtige Filterfunktion im Meerwasseraquarium und sollte in einer Menge von cirka 20 bis 30 Prozent des Beckenvolumens eingebracht werden.


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Neben den nützlichen Bakterien und Algen kann sich frisches Lebendgestein auch als wahre Wundertüte erweisen und eine Vielfalt von weiteren Kleinstlebewesen über ungebetene Gäste (Plagegeister wie z.B. Glasrosen oder Kieferwürmer) bis hin zu Anemonen oder gar Korallen beherbergen.
Wer sich mit diesen kleinen Überraschungen nicht im vollen Umfang beschäftigen mag, kann bei guten Händlern vorgehältertes Lebendgestein aus speziellen Hälterungsanlagen kaufen. Dieses gewährleistet eine durchaus hochwertige Qualität und enthält durch spezielle Behandlungsverfahren in der Regel weniger ungebetene Gäste.


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Teilweise wird bei Händlern und vor allem sehr häufig in online-Auktionen auch wiederbelebtes Gestein angeboten. Hierbei handelt es sich oft um trockene (tote) Korallenskelette, die eine gewisse Zeit lang in ein Meerwasserbecken eingebracht wurden und dann von Kalkrotalgen neu besiedelt werden. Es ist klar, dass sich bei derartigem Gestein keine so große Artenvielfalt wie bei frischem Lebendgestein entwickeln kann.






Erwerb von Lebendgestein

Kaufen sollte man Lebendgestein möglichst dann, wenn es gerade frisch beim Händler eingetroffen ist. Frisches Lebendgestein ist bei den Händlern nicht immer vorrätig. Händler nehmen jedoch auf Anfrage meist Bestellungen entgegen und reservieren Ihnen dann Ihre Bestellung.
Auf Grund des Gewichtes sind die Transportkosten aus dem Ursprungsland recht hoch. Damit ist klar, dass für den Aquarianer eine erhebliche Ausgabe bevor steht.

Hochwertiges Gestein wird zum Beispiel aus Indonesien, Bali und Sulawesi importiert. Cites.jpg

Verzichten sollte man in den meisten Fällen auf Steine aus Afrika. Hier findet man sehr häufig wenig poröses Gestein, welches dadurch deutlich weniger Siedlungsfläche für Bakterien bietet. Zudem ist es dann auch noch sehr schwer, so dass man für viel Geld wenig Masse bekommt.

Die Steine sollten frisch, also nach Meer riechen. Fauliger Geruch läßt nichts Gutes erahnen.



Galerie Bilder Händlerlieferung Lebendgestein

Verbau von Lebendgestein

In einem Eimer mit Salzwasser spülen wir die Steine als erstes kurz durch und entfernen mit einer Bürste abgestorbene Schwämme.
Zum Unterbauen des Lebendgesteins kann trockenes (totes) Gestein bzw. Lochgestein verwendet werden. Das findet man gelegentlich auch in den Technikbecken der Händler. Durch diese Methode wird das Lochgestein zumindest teilweise biologisch aufbereitet. Diese Steine bekommt man in der Regel etwas günstiger.

Das Lebendgestein bzw. der Riffaufbau sollte direkt auf dem Aquarienboden und nicht auf dem Sand aufgebaut werden. Dadurch wird vermieden, dass grabende Tiere später unter die Steine gelangen und so das Riff eventuell zum Einstürzen bringen. Um zu verhindern, dass der Beckenboden Risse bekommt, ist eine Plexiglasplatte oder Lichtrasterplatte unter das Gestein zu legen. Manche verkleben auch Styropor, wovon ich persönlich abraten würde, da die Gefahr zu groß ist, dass es sich später auflöst.

Wird das Lebendgestein in das neue Aquarium eingebracht, ist zum einen die Beleuchtung einzuschalten und zum anderen sollten die Strömungspumpen in Betrieb genommen werden. Durch eine entsprechende Ausrichtung der Strömungspumpen ist zu gewährleisten, dass das Lebendgestein optimal um- und hinterspült wird.
->siehe auch Thema Einlaufphase

Soll Lebendgestein nachträglich in ein eingefahrenes Becken eingebracht werden, empfiehlt es sich bei größeren Mengen, dieses schrittweise zu erwerben und nicht auf einmal in das Becken zu geben, um die Wasserwerte stabil zu halten.



Bewohner des Lebendgesteins

Viele Einsteiger in die Meerwasseraquaristik fragen sich sehr oft, was denn da so aus ihren Steinen wächst oder heraus krabbelt, ob der Bewohner nützlich oder eher schädlich ist. Deswegen fassen wir hier noch einmal die typischsten Mitbringsel des Lebendgesteins gesondert zusammen.

Typische Algen im Lebendgestein

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Die typischste Alge auf dem Lebendgestein ist die Kalkrotalge. Sie wächst flächig auf dem Gestein und bildet beim Wachsen helle Wachstumsränder. Beim Einsetzen von frischem Lebendgestein bilden sich Kalkrotalgen mitunter teilweise zurück, beginnen jedoch nach wenigen Tagen wieder zu wachsen.

Nach einigen Wochen können sich auch die ersten höheren Algen zeigen. Typische Grünalgen, die häufig mit Lebendgestein eingebracht werden, sind zum Beispiel verschidene Arten von Caulerpa oder die Drahtalge.

Auch Kugelalgen sind häufig auf dem Lebendgestein zu finden. Viele Aquarianer entfernen sie bei Zeiten, da sich diese Alge immens vermehren kann und später auch in Korallen siedelt und diese dabei zerstören kann.

Rotalgen und Braunalgen überstehen die Einfahrphase oft nicht. Manchmal bilden sie sich nach Monaten, wenn sich die Wasserwerte stabilisiert haben, wieder neu.

Typische Sekundärbesiedler wie die Fadenalge oder die Goldalge seien an dieser Stelle auch erwähnt. Sie sollten auf frischem hochwertigem Lebendgestein beim Kauf eigentlich nicht zu finden sein, besiedeln dieses in der Einfahrphase jedoch oft. Von einem Kauf von Lebendgestein, welches schon beim Händler von Schmier- oder Fadenalgen besiedelt ist, kann ich nur abraten.



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Typische Schwämme im Lebendgestein

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Schwämme können mit ihren verschiedenen und teilweise sehr intensiven Farben ein schöner Blickfang im Meerwasseraquarium sein. Da sie als Filtrierer auf ausreichend Nahrung im Wasser angewiesen sind, ist es nicht so einfach, die häufig auf dem Lebendgestein befindlichen Schwämme durch die Einfahrphase zu bringen und auf Dauer zu halten.

Typische erste Bewohner des Lebendgesteins sind die kleinen Kronenkalkschwämme und die gelben Gitterschwämme.

Der lila Ohrenschwamm neigt zu extremer Vermehrung und sollte daher, wenn vorhanden, vom Lebendgestein rechtzeitig entfernt werden. So manches Becken wurde von ihm schnell zugewuchert, unansehlich und andere Tiere dadurch verdrängt.



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Typische Schnecken im Lebendgestein

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Je nach Herkunft des Lebendgesteins kommt mit ihm automatisch eine Vielzahl an kleinen Schnecken oder Schneckengelege in das Becken.

Die meisten Schnecken sind gute Algenfresser und daher recht nützlich. Wenige Arten wie zum Beispiel eine speziell nur Krustenanemonen fressende Schnecke sind im Meerwasseraquarium unerwünscht.

Die typischsten mit Lebendgestein eingebrachten Schnecken sind kleine Kegel- und Napfschnecken, Schlüsselloch- und Käferschnecken, Ohren- Wellhorn- und Wurmschnecken.

Besonderheiten:



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Typische Muscheln im Lebendgestein

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Relativ klein bleibende Arten von Muscheln wie zum Beispiel die Steckmuschel sind Aquarien-Bewohner, welche oft erst nach längerem Beobachten im Lebendgestein gesichtet werden. Sie verbergen sich meist unter dem Gestein oder in kleinen Höhlen.

Einige Muscheln können beim aktiven Wandern über das Lebendgestein beobachtet werden.

Auf Dauer sind die Muscheln wie die meisten Filtrierer im Aquarium schwer zu halten. Sie können nur bei ausreichend Nahrung überleben und verhungern, wenn sie nicht zugefüttert werden, in der Einfahrphase leider oft.




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Typische Würmer im Lebendgestein

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Sehr typische Mitbringsel im Lebendgestein sind Borstenwürmer, Schnurwürmer und kleine Kalkröhrenwürmer. Sie sind im Aquarium als eher harmlose Bewohner zu betrachten und teilweise gute Resteverwerter.

Eher kritisch zu bewertende Untermieter sind Feuerborstenwürmer, Kieferwürmer und Strudelwürmer (Plattwürmer). Diese Würmer vergreifen sich an anderen Mitbewohnern, richten Fresschäden an und sind schwer aus dem Becken zu bekommen. Feuerborstenwurm und Kieferwurm fressen mit Vorliebe Nesseltiere an und führen so zum Absterben der Korallen und Anemonen. Der Leopardstrudelwurm vergreift sich an Schnecken und Muscheln. Kleinere Strudelwürmer siedeln auf Anemonen und Korallen und können sich mitunter massenhaft vermehren.
Diese Plagegeister sind meist nachtaktiv, teilweise extrem scheu und dadurch schwierig zu fangen. Sie sollten wenn möglich in einem eigenen Artenbecken gepflegt werden. Zu bemerken ist, dass einige Würmer bis zu fingerdick und meterlang werden können als auch zu äußerst schmerzenden Verletzungen durch Berührung der Borsten führen.

Besonderheiten:



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Typische Krebse, Krabben und Garnelen im Lebendgestein

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In den Abendstunden und bei Nacht zeigt sich dem Meerwasseraquarianer oft eine große Vielfalt von winzigsten wuselnden und krabbelnden Flohkrebschen, welche mit dem Lebendgestein in das Becken kamen. Diese kleinen Krebse sind für die Fische eine willkommene Nahrungsergänzung und im Becken in der Regel harmlose blinde Passagiere.

Schwieriger wird es schon, wenn plötzlich Tiere angefressen werden oder über Nacht spurlos verschwinden, sich seltsame knallende und knackende Geräusche im Becken bemerkbar machen.

In einem solchen Fall ist es möglich, dass mit dem Lebendgestein auch kleinere Räuber wie zum Beispiel Krabben, Fangschreckenkrebse oder Knallkrebse in das Aquarium einzogen sind.

Verfallen Sie nicht in Panik und beobachten und bestimmen Sie die Tiere gründlich. Nicht alle Krabben sind z.B. Räuber. Manche Krabben sind gute Algenfresser, andere reine Filtrierer.

Haben Sie einen wirklichen Räuber im Becken ausfindig gemacht, empfiehlt sich die Haltung dieser sehr interessanten Tiere in einem separaten Artenbecken oder die Abgabe an einen Händler bzw. interessierten Aquarianer.
Beim Fangen oder Halten dieser Tiere ist Vorsicht geboten, da sie dem Pfleger mit ihren Scheren durchaus ernsthafte Verletzungen zufügen können.


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Typische Seesterne im Lebendgestein

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Kleine Seesterne, die aus dem Lebendgestein auftauchen, sind oft der erste Stolz der neuen Meerwasseraquarianer. Kleine braune, weiße und rote Schlangensterne zeigen ihre filigranen Ärmchen oder die blaugrauen kompakteren Gänsefußseesterne kommen an die Scheiben gekrabbelt. Doch schon bald wird der Aquarianer evtl. verwundert feststellen, dass die Kalkrotalgen verschwinden

Nicht alle Seesterne sind gern gesehene Gäste. Der Asterina Gänsefußseestern besitzt ein großes Vermehrungspotential und frisst mit Vorliebe die Kalkrotalgen vom Lebendgestein. Sein Bestand sollte daher regelmäßig durch Ablesen dezimiert werden.
Die kleinen Schlangensterne sind hingegen willkommene Resteverwerter, werden aber meist nicht größer als etwa 5 cm und sind oft in Spalten des Lebendgesteins verborgen, aus welchen nur ihre Arme heraus ragen.



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Typische Anemonen im Lebendgestein

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Mit etwas Glück sind auf einem Lebendgestein schöne Scheiben- oder Krustenanemonen angesiedelt.


Leider ist dies eher die Ausnahme und die Wahrscheinlichkeit um ein vielfaches größer, sich über das Lebendgestein nur unerwünschte Anemonen in das Becken zu holen. Zu diesen gehören die Glasrosen und Manjano-Anemonen. Beide vermehren sich sehr rege und vernesseln andere Tiere, weswegen sie in vielen Becken zu einer ärgerlichen Plage wurden und von den Pflegern nur mit großem Aufwand bekämpft werden können.

Sobald die ersten Anemonen dieser Art gesichtet werden und Sie später nicht ein reines Glasrosen- oder Manjanobecken pflegen wollen: raus damit!



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Sonstige Bewohner im Lebendgestein

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Einige Siedler des Lebendgesteins sind für den Anfänger besonders schwer zuzuordnen.

Hierzu gehören zum Beispiel Foraminiferen, die wie winzige kleine Korallen ausschauen oder Seescheiden, vom äußeren fast inneren Organen wie z.B. einem Magen oder einem Herz ähnlich. Die Polypen der Kranzqualle sind häufiger auf frischem Lebendgestein zu finden und werden oft mit Röhrenwürmern verwechselt. Sie bilden eine Schutzröhre vergleichbar der Röhre eines Röhrenwurmes aus.

Cyanobakterien bilden sich oft als purpur-violett-braunes Geflecht auf Lebendgestein während der Einfahrphase. Sie werden von Anfängern meist für Algen gehalten.





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--Jörg Dierchen 12:26, 2. Jun. 2009 (UTC)


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